Borderline

Bei Borderline handelt es sich um eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Kennzeichen sind impulsives Verhalten, dauerhafte Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, extreme Stimmungsschwankungen und Selbstverletzung. Betroffene schildern Borderline als „ein Leben ohne Wurzeln“ oder ein „Leben am Rande des Aushaltbaren“. Ungefähr ein bis fünf Prozent aller Menschen sind an der Borderline-Persönlichkeitsstörung (kurz: BPS) erkrankt. Etwas häufiger sind Frauen als Männer betroffen. Allerdings ist es möglich, dass Frauen sich eher einer Behandlung unterziehen.

Welche Ursachen führen zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Borderline sind noch nicht vollkommen geklärt. Neben einer bestimmten Veranlagung sind Missbrauch, Misshandlung, emotionale Kälte oder Vernachlässigung während der Kindheit mögliche Ursachen. Allerdings gibt es auch Borderline-Patienten, die unter „normalen“ Umständen aufgewachsen sind. Derzeit wird untersucht, ob hirnorganische Veränderungen existieren, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung begünstigen.

Welche Symptome weisen auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hin?

Menschen, die unter einer Borderline-Störung leiden, fällt es schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren beziehungsweise Emotionen zu spüren und einzuordnen. Typische Symptome sind Störungen des Selbsterlebens, extreme Stimmungsschwankungen, Leere- und Spannungszustände. Ihr emotionales Gleichgewicht kommt schnell aus der Balance. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie Ärger oder Trauer empfinden. Innere Spannung baut sich auf. Kleine Anlässe reichen aus, um die Gefühlslage zu kippen. Sie überkommt von einem Moment auf den anderen plötzlich überwältigende Wut, Angst oder sogar Panikattacken und völlige Verzweiflung. Diese wechselnden Empfindungen können sie nicht kontrollieren. Bereits ein falsches Wort oder ein verschütteter Kaffee können solch einen Gefühlsausbruch auslösen. Einige Betroffene wählen Selbstverletzung zum Abbau innerer Spannung. Sie schneiden sich beispielsweise mit einer Rasierklinge oder einem Messer in den Unterarm. Mit dieser Selbstverletzung versuchen sie das Gefühlschaos zu kontrollieren. Es kann sich bei dem Verhalten aber auch um einen verdeckten Hilferuf an Familie und Freunde handeln. Viele Betroffene gefährden und schädigen sich beispielsweise mittels Drogen, Alkohol, gefährlichen Sportarten oder riskanten Sex selbst. Auch leiden viele an Borderline Erkrankte an anderen psychischen Störungen wie ADHS, Suchterkrankungen, Essstörungen oder Depressionen. Durch die Erkrankung sind die Betroffenen häufig in verschiedenen Lebensbereichen, wie Beziehungen, Arbeit und Freizeitgestaltung, beeinträchtigt, da sie von der Krankheit über mehrere Jahre begleitet werden. Mehr als fünf Prozent der Betroffenen nehmen sich ohne rechtzeitige Therapie selbst das Leben, da sie ihre Erkrankung als unerträglich empfinden.

Wie gestalten sich Partnerschaften und Freundschaften bei Borderline Patienten?

Charakteristisch für Partnerschaften und Freundschaften bei Borderline Patienten ist, dass diese häufig sehr konfliktreich sind. Im Umgang mit anderen Menschen fühlen sich Menschen mit Borderline sehr unsicher. Sie können schlecht einschätzen, wie ihre Wirkung auf ihre Umgebung ist und welche Empfindungen andere haben. Viele Betroffene leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl und es kommt zu einem spontanen Wechsel zwischen Selbstliebe und Selbsthass. Oft benötigen die Betroffenen intensive Nähe und verehren ihren Partner besonders. Allerdings können sie schlecht Vertrauen aufbauen. Sie haben ständig Angst, dass sie verlassen werden. So überkommt sie schon bei Kleinigkeiten Misstrauen. Die übertriebene Zuneigung schlägt schnell ins Gegenteil um, was sich durch Ablehnung und Verachtung gegenüber dem Partner äußert. Häufig ist eine Trennung die Folge, da es dem Partner nicht leicht fällt, mit den ständigen Gefühlsveränderungen umzugehen.

Wie wird die Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ gestellt?

Zunächst gilt der Hausarzt als erster Ansprechpartner. Wird der Verdacht auf Borderline-Störung geäußert, so kommen Spezialisten wie Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder Psychotherapeuten zum Einsatz. Für eine gewisse Diagnose existieren keine bestimmten Tests. Unumgänglich sind intensive, strukturierte Gespräche sowohl mit dem Betroffenen als auch gelegentlich mit den Angehörigen. Neben der Abklärung der typischen Symptome können auch psychologische Verfahren eingesetzt werden. So ist es möglich, andere psychische Krankheiten, wie Depression oder Schizophrenie, zu eliminieren.

Wie gestalten sich die Therapiemöglichkeiten bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung empfiehlt sich eine Verhaltenstherapie. Gelegentlich kommen auch Medikamente zum Einsatz. Als sehr erfolgreich haben sich bisher die dialektisch-behaviorale Therapie und spezielle psychodynamische Therapien, wie die übertragungsfokussierte Psychotherapie erwiesen. Bei der dialektisch-behavioralen Therapie lernen die Betroffenen, ihre Gefühle zu lenken und so ihre Emotionen zu kontrollieren. Oft ist es hilfreich, wenn der Patient bewusst bis zehn zählt, wenn er merkt, dass seine innere Spannung anwächst. Anderen hilft es, wenn sie eiskaltes Wasser über ihre Unterarme gießen. Auch kann ein intensiver Sprint dem Einen oder Anderen gut tun. Demnach gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, um den Betroffenen zu helfen. Mithilfe anderer psychotherapeutischer Verfahren lernen die Patienten Selbstsicherheit zu gewinnen. Zusätzlich kann eine Traumatherapie traumatische Erlebnisse bewältigen. Gewöhnlich erfolgt die Behandlung ambulant, nur bei Patienten, bei denen Suizidgefahr besteht oder die schwere Selbstverletzungen aufweisen, sollte eine zeitweise stationäre Therapie in Betracht gezogen werden.